Ablenkungen helfen bei Boxenhaltung nicht
Ablenkungen helfen bei Boxenhaltung nicht

Französische Wissenschaftler haben fe​​​​​stgestellt, dass Pferde, die überwiegend in Boxen gehalten werden, Anzeichen von Stress und Depressionen zeigen, auch wenn die Boxen mit Spielzeug und Fenstern ausgestattet sind, um ihnen die Langeweile zu vertreiben. 

Wir haben es selbst schon oft gehört: „Meinem Pferd ist in der Box langweilig, hängen wir doch einen Ball oder einen Spiegel rein. Dann wird es schon besser.“ Andere schicken die Pferde in der Box auf Futtersuche, geben mehr Futter oder richten ein schön dickes Strohbett, damit es das Pferd in der Box gemütlicher hat. Doch helfen diese Maßnahmen den Pferden wirklich? 

Netter Versuch, meint ein Team von Wissenschaftlern!

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie zeigen Pferde Verhaltensauffälligkeiten und machen einen unzufriedenen Eindruck, wenn sie in einer Box gehalten werden, unabhängig davon, welchen und wie viel Zeitvertreib man ihnen bietet. Und je länger sie so gehalten werden, desto stärker werden die Auffälligkeiten. 

„Es gibt diesen Mythos, dass es das Leben von Pferden in Boxenhaltung drastisch verbessert, wenn man ihnen Spielzeug, Bürsten, Fenster oder eine andere Einstreu gibt.“, sagt Léa Lansade, PhD. 

„Die Art einer solchen Ablenkung kann jedoch die wichtigen Dinge nicht ersetzen, die den Pferden die Möglichkeit bieten, das grundlegende Verhalten ihrer Art, sich frei zu bewegen, sozialen Kontakt und den ganzen Tag über Zugang zu Futter zu haben auszulebenErst wenn diese grundlegenden Bedürfnisse erfüllt sind, kann man ein paar Extras, Spielzeug usw. hinzufügen. Sie können also zu diesen Grundlangen hinzugefügt werden, sie jedoch nicht ersetzen,“ erklärt die Wissenschaftlerin. 

Die Studie: 187 Boxenpferde wurden 50 Tage lang beobachtet 

In ihrer Studie haben Lansade und ihr Team ein System zur Beobachtung von 187 Pferden entwickelt, die in vier Ställen in Boxen gehalten wurden. 

Bei den Pferden handelte es sich um Warmblüter, die in der Dressur, beim Springen oder in der Vielseitigkeit eingesetzt wurdenAlle Pferde lebten dabei ca. ab einem Alter von 3 Jahren in Boxenhaltung. Eine Wissenschaftlerin ging dabei in einem Zeitraum von neun Monaten 50 Tage lang durch die Boxengassen und notierte, wie die Pferde sich verhielten.  

Sie konzentrierte sich dabei auf vier ausgeprägte Verhaltensmuster, die auf Unzufriedenheit und Stress hinweisen können: Stereotypien (nagen, koppen, weben), aggressives Verhalten gegenüber Menschen (beißen und treten), eine „depressive Haltung“ (Nacken und Rücken auf ca. gleicher Höhe, tief gelegte Ohren und schlechte Reaktion gegenüber jeglicher Stimulanz) und stressbedingtes Verhalten wie „Nervosität“ mit hoch gestrecktem Hals und übermäßiger Alarmbereitschaft oder häufiges Koten und Urinieren. 

Die Wissenschaftler verglichen diese Anzeichen nun mit einer Situationin der den Pferden Dinge zur Ablenkung zur Verfügung gestellt wurden. Dazu gehörte ein Strohbett anstelle von Spänen, ein Fenster nach draußen, Nachbarpferde” und verschiedenes Spielzeug. 

Die ErkenntnisseAnzeichen von Unzufriedenheit 

Das Team stellte fest, dass diese Arten der Ablenkung wenig bis keine Auswirkung auf die Zufriedenheit der Pferde hatten. „Unsere Ergebnisse mit den Pferden zeigten, dass diese kleinen Verbesserungen, die wir in den Boxen durchführten, einfach nicht ausreichen,“ sagte Lansade„Das Entfernen von Gittern, zusätzliches Kraftfutter usw. sind nicht wirklich zweckdienlich und es ist an der Zeit, dass wir zum gesunden Menschenverstand zurückkommen.“ 

Was jedoch festgestellt wurde, war der Zeitfaktor: je älter die Pferde, desto mehr Anzeichen von Unzufriedenheit zeigten sieDa diese Sportpferde ab dem Alter von drei Jahren im Sport eingesetzt und seitdem in Einzelhaltung gehalten wurden, repräsentierte das Alter die Jahre in dieser Haltung. Im Laufe der Zeit verschlechterte sich der Zustand der Pferde, wie diese Studie belegt.  

„Das Pferd lebt seit Tausenden Jahren auf offenen Flächen mit unbeschränktem Zugang zu Futter und gleichzeitig geht es komplexe soziale Beziehungen mit den anderen Herdenmitgliedern ein. Es ist einfach nicht dafür gemacht, allein und isoliert in einer Box zu stehen, egal wie gut diese Box nun ausgestattet ist,“ so Lansade abschließend. 

Was sollten wir Pferdebesitzer aus dieser Studie mitnehmen 

Diese Studie bestätigt eigentlich nur etwas, was ohnehin logisch ist. Das Pferd ist ein Herden-, Bewegungs- und Fluchttier, das bis auf kurze Pausen ständig frisst. Welche dieser Punkte werden in einer Boxenhaltung erfüllt? Das meinten die Wissenschaftler wohl mit gesundem Menschenverstand. 

Es gibt jedoch Pferde, die aufgrund ihrer Vorgeschichte nicht in einen Aktiv- oder Offenstall integriert werden können oder aufgrund von Verletzungen oder Erkrankungen für eine gewisse Zeit in einer Box gehalten werden müssen. Doch auch diese Pferde kannst du beschäftigen – wie? Das kannst du in unserer Podcast-Episode mit Agnes Trosse zum Thema Boxenruhe erfahren. 

Die Studie wurde auf horse.com veröffentlich und kann hier vollständig nachgelesen werden.

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