Stute und Wallach - Verhalten
Stute und Wallach - Verhalten

Zickige Stute, temperamentvoller Hengst, ruhiger Wallach – diese Einschätzungen finden sich in den Köpfen vieler Pferdemenschen, möglicherweise mit den entsprechenden Konsequenzen für das Pferd. Denn seien wir doch mal ehrlich, Vorurteile lassen sich nicht so einfach abschalten.

Und auch beim Pferdekauf spielt das Geschlecht des Pferdes häufig von vornherein eine wichtige Rolle. Viele Reiter würden sich grundsätzlich keine Stute, keinen Wallach oder keinen Hengst kaufen, statt diese Entscheidung vom einzelnen Pferd abhängig zu machen.

Aber ist an diesen Vorurteilen wirklich etwas dran oder bilden wir und dies Unterschiede in Verhalten, Charakter und Potenzial der Pferde nur ein? Eine Studie aus dem Jahr 2010 ist dieser Frage auf den Grund gegangen.

Vorurteile können Folgen für die betroffenen Pferde haben

Die Wissenschaftler waren der Meinung, dass Vorurteile gegenüber einem bestimmten Geschlecht zu Problemen für die betroffenen Pferde führen könnten. 

Dazu gehörten z. B. ein unterschiedlicher Umgang mit den verschiedenen Geschlechtern (was im Fall von Hengsten gerade bei der Haltung allerdings Sinn macht). Aber gerade strengere Trainingsmethoden oder die „Ausmusterung“ von Pferden nur auf Basis ihres Geschlechts haben natürlich deutliche Auswirkungen auf das Wohlergehen der betroffenen Pferde.  

Gibt es wissenschaftlich nachweisbare Unterschiede? 

Diese Frage versuchten die Wissenschaftler anhand eines Fragebogens zu beantworten, den 1233 Reiter und Trainer mit mindestens acht Jahren Reiterfahrung ausfüllten. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass vor allem in Bezug auf das Verhalten Unterschiede zwischen Wallachen und Stuten festzustellen waren. Es wird wahrscheinlich keinen Pferdekenner überraschen, dass Wallache eher dazu neigten, auf Decken und Anbindestricken herumzubeißen als Stuten. Die Stuten liefen im Gegensatz zu den Wallachen auf dem Paddock beim Einfangen eher weg.

Und beim Reiten? Da gab es überraschenderweise keine deutlichen geschlechtsspezifischen Unterschiede, auch wenn Stuten hier ja oft als zickiger, empfindlicher am Bein und teilweise auch weniger leistungsbereit gelten. Die Wissenschaftler schlagen allerdings vor, dies in einer weiteren Studie nochmals genauer zu beleuchten. 

Was nutzt uns als Pferdebesitzer dieses Wissen?  

Im ersten Moment wahrscheinlich erstmal gar nichts. Als Pferdebesitzer haben wir uns schließlich schon für eine Stute oder einen Hengst oder Wallach entschieden.

Vielleicht öffnet es uns aber ein bisschen die Augen und zeigt uns, dass einiges in der Pferdewelt nur auf Hörensagen und Vorurteilen beruht.

Es zeigt uns auch, dass wir uns bei der Wahl „unseres“ Pferdes nicht von Oberflächlichkeiten leiten lassen sollten, sondern auf unser Herz hören und uns für das für uns richtige Pferd entscheiden sollten, egal ob es eine Stute oder ein Wallach ist.

Dem einen oder anderen mag dieses Wissen auch dabei helfen, sich gegenüber Vorteilen von außen zu wehren, denn sein wir doch mal ehrlich: Wir selbst lieben unsere Pferde in der Regel so wie sie sind, es sind meist Außenstehende, die sie kritisieren – manchmal einfach nur auf Basis ihres Geschlechts. 

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